Weihnachten ist vorbei, die liebevolle Deko landet wieder in Kisten, Taschen und Schubladen. Aufräumen ist angesagt und schon reift der Entschluss, das kleine Schränkchen vielleicht doch über ein beliebtes Online-Anzeigenprotal zu verkaufen, damit das neue Regal ein hübsches Plätzchen findet… Natürlich geht das kleine Erbstück nicht per Paketdienst auf die Reise, immerhin ist es aus Massivholz und schwerer, als man denkt. Also „Abholung“ angeklickt. Abgesicherter Direkt-Kauf? Nein, lieber nicht, immerhin ist nur Bares Wahres – die Taler hätte man schon gerne direkt bei Abholung in die Hand.
Schnell ein paar aussagekräftige Fotos gemacht, einen kleinen Text geschrieben und den Preis festgelegt. Teuer soll das Schränkchen nicht sein, vielleicht freut sich jemand über ein neues Schätzchen … und schon ist alles gespeichert und nach kurzer Zeit von den Admins der Plattform freigegeben.
Einige Beobachter sind bereits aufmerksam geworden und hoffen scheinbar, dass man binnen einer halben Stunde den Preis senkt. Nach einigen Stunden stolpert man über eine Mail im privaten Mailaccount – ob das Schränkchen noch zu haben wäre? Eine ganz normale Mail, höflich, mit Anrede. Absender? Ja, sieht nach einem echten Namen aus… verdammt: Warum hat man denn keine Mail über die Plattform bekommen? In den Nachrichten auf der Verkaufsplattform findet sich die Mail auch nicht. Naja, vielleicht hakt da irgend etwas. Man antwortet – ja, Fehler (!) – schnell über den eigenen Mailaccount, dass das Schränkchen noch da ist und erhält unmittelbar – scheinbar von eben dieser Plattform – die Information, dass das Schränkchen nun verkauft sei. Bitte? Wie das? Es war ja noch eine zweite Anfrage per Mail angekommen und eine Zusage hat man doch noch gar nicht gegeben? Zack, die nächste Mail, ebenfalls offenbar von dem Online-Anbieter: Die Zahlung wäre eingegangen, man solle bestätigen – oder, nächste Mail, man solle zurück zum eigenen Angebot gehen – oder, nächste Mail, Zahlung prüfen. Die nächste Mail kommt dann vom „Käufer“: Man habe doch bereits überwiesen und wann das Schränkchen denn nun versendet werden würde? Nächste Mail: Alles wäre super und nun bräuchte man doch nur der nächsten Mail zu folgen und die Zahlung überprüfen…
Sie können es sich denken: Es kamen insgesamt 11 Mails und ich habe mich gewundert, dass kein Inkasso, Gerichtsvollzieher oder ähnliches angedroht wurde. Die Mails, die angeblich von der Online-Plattform kamen, sahen absolut echt aus – Schriften, Farben, Logos und das Bild des angebotenen Artikels sowie ein Button, um zur Anzeige zurück zu gelangen. Nachdem ich den Namen der „Käuferin“ gegoogelt hatte, wurde bald klar, dass es sich hier um einen Betrugsversuch handelte und die Vermutung bestätigte sich dann auch unmittelbar, nachdem die Mails allesamt in den Spam-Ordner verschoben worden waren. Plötzlich tauchten kryptische Absende-Mailadressen auf, die vorher nicht bzw. nur mit einem Klick auf „Details ansehen“, erkennbar waren. Als Absender stand dort vorher in den beiden ersten Mails Frauennamen, die absolut realistisch klangen. Sogar die Liefer-Adresse klang plausibel.
Auch wenn die „Täter“ vermutlich nicht ermittelt werden können und zudem wegen Geringfügigkeit wahrscheinlich alles im Sande verlaufen wird, wird in diesem Fall Anzeige erstattet. Frei nach dem Spruch „Holzauge sei wachsam“, möchten wir Ihnen zum Start ins neue Jahr ans Herz legen, im Rahmen eines geplanten Verkaufs nur auf Mails bzw. Nachrichten zu antworten, die direkt von der von Ihnen genutzten Online-Plattform kommen, keine Felder in den doch recht offiziell aussehenden Mails anzuklicken oder womöglich den angebotenen Artikel zu verpacken, um ihn nun doch irgendwie mit Paketdienst auf die Reise zu schicken.